Warum Apps wie ClubHouse oder WhatsApp in Unternehmen nichts verloren haben Ein Unternehmen von Ronny Dechler

Warum Apps wie ClubHouse oder WhatsApp in Unternehmen nichts verloren haben

Die neue App namens ClubHouse die aktuell nur unter dem Apple‘sAppStore (nicht Android) und nur durch Einladung bereits registrierter User bezogen werden kann verursacht einen Riesenhype. Zurecht? Wohl kaum, denn…

…dahinter steckt nichts anderes als bewährtes Marketing.

Sperrt man einen Dienst, ein Produkt oder einen Service für eine „scheinbar“ privilegierte Benutzergruppe, dann ist der Rest der Menschheit umso besessener dieses Privileg ebenfalls zu erhalten. Egal wie sinnvoll oder sinnbefreit dieser besagte Dienst oder das Produkt ist.

Die neue ClubHouse App macht da keine Ausnahme. Man kann dort Kanälen folgen, in denen man anstatt via Text nun via Audio über Gott und die Welt diskutieren kann. Mit den gleichen Vor- und Nachteilen die es vorher in anderen Apps und Medien ebenfalls gab. Ob also jemand diesen Hype folgt muss JedeR für sich entscheiden.

Fakt ist allerdings, dass es bereits viele Diskussionen am Rande dieser App zu verzeichnen sind, die sich vor allem um das Thema Datenschutz und DSGVO drehen. Dieses Thema mag man als Laie belächeln, doch…

…auch die eigene Stimme und deren Wiedererkennungswert fällt unter die Bestimmungen der DSGVO.

Man stelle sich vor, dass Audiodaten abgefangen, manipuliert und zweckentfremdet werden. Nichts leichter als das. Was man damit tun könne höre ich Sie bereits fragen? Nun, stellen Sie sich vor ich habe eine ganze Audiosammlung Ihrer Stimme, Ihrer Artikulation und Ihres typischen Dialekts. Was sollte mich davon abhalten entsprechende „Standard“-Sätze mit Gratis-Audioschnittprogrammen zusammen zu bauen um Telefonanrufe oder Podcasts nachzustellen? Mit entsprechender (krimineller) Energie wird sogar Ihre Mutter schwören, dass Sie genauso reden wie man es Ihr vorspielt – nur das Sie eben sprichwörtlich Ihr eigenes Kind nicht wiedererkennt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Sinn von Clubhouse erschließt sich so manchen Followern ebenso wenig, wie jene die dort ihre Räume gestalten. Das zeigen ganz aktuelle Status-Nachrichten auf Facebook. Man kann halt jemandem zuhören und eventuell mitreden, wenn man Zeit und Muse hat dies zu tun. Doch inwiefern unterscheidet sich die App von einem Blog, Tweet, YouTube Video oder einer Statusnachricht?

Clubhouse erweckt eben den Eindruck, dass man zur Szene gehört, wenn man dabei ist und dass man nicht zur Szene gehört, wenn das Gegenteil der Fall ist. Deshalb macht es sich die App recht einfach, wenn diese nur auf Apple’s Store verfügbar ist. Ein Apple Gerät wird somit wieder zum Statussymbol… was ja die letzten Jahre eher kaum der Fall war. Die Frage die man sich selbst stellen sollte: Was hilft einem ein Statussymbol, wenn dir dadurch nur Akku und Zeit gestohlen wird?

Als Unternehmen sollten Sie von diesem Trend Abstand nehmen, da dies Ihrer PR unter Umständen Schaden könnte, sofern Sie nicht auf Trends angewiesen sind – das sind übrigens die wenigsten Unternehmen. Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, dann stellen Sie sich im Vorfeld folgende Fragen:

  • Welches Zielpublikum möchten Sie mit einem #clubhouse Kanal erreichen?
    • Bedenken Sie im Zusammenhang mit der vorherigen Frage, dass die App aktuell (Stand 25.01.2020) nur für IOS Geräte verfügbar ist.
  • Welchen Content möchten Sie dort via Audio verbreiten?
  • Wie oft und regelmäßig möchten Sie dort Content veröffentlichen?
  • Wer kümmert sich um den Content?
    • Wie viel bezahlen Sie dieser Person für diese Tätigkeit?
    • Stehen Aufwand und Ausgaben dafür?
    • Was ist der tatsächliche Mehrwert durch den Auftritt?
  • Kann man andere Social-Media-Kanäle (Facebook, Instagram…) womöglich besser und regelmäßiger versorgen, bevor man einen neuen Kanal von Grund auf aufbauen muss?
  • Welchen Zeitplan sehen Sie hinter der Verwendung von #clubhouse?
  • Welche Unternehmensstrategie bedienen Sie durch die Verwendung dieser App?
  • Steht die App im Einklang mit Ihrer Datenschutzrichtlinie?
    • Bedenken Sie in diesem Zusammenhang stets, dass bei (Datenschutz)Skandalen von Apps oder Tools indirekt jene Unternehmen betroffen sind, die diese Anwendungen verwenden und zur Interaktion oder Auswertung von Kunden nutzen.

Meine ganz persönliche Meinung zu dem Thema

Hüpfen Sie nicht auf jedes Boot, das bei Ihnen vorbeifährt. Warten Sie geduldig den ersten Hype ab und machen Sie sich in Ruhe Gedanken ob die App für Sie bzw. Ihr Unternehmen einen Zweck erfüllt und noch dazu im Einklang mit Aufwand und Kosten steht. Selbst wenn sogar die Wirtschaftskammer Österreich Ihre (bezahlenden) MitgliederInnen auf diese App „drängt“, sollten Sie primär an Ihr Unternehmen und Ihren Terminkalender denken.

Denn letztendlich müssen Sie den Hype pflegen, für Unkosten aufkommen, mit Reaktionen umgehen (positiven wie auch negativen) und sich dafür eine kurzfristige und langfristige Strategie überlegen. Das nimmt Ihnen kein Influencer oder sonst jemand ab.

Warum Apps wie ClubHouse oder WhatsApp in Unternehmen nichts verloren haben Ein Unternehmen von Ronny Dechler
Einer von unzähligen Aufrufen der WKO (Wirtschaftskammer Österreich) auf der gleichnamigen Facebookseite.

Übrigens: Bezogen auf den Aufruf der Wirtschaftskammer via ClubHouse “Welche alltäglichen Herausforderungen auf GründerInnen in Österreich warten”, kann ich Ihnen mitteilen, dass die größte Herausforderung jene ist, seine Daten zu schützen und wichtige Nachrichten von unwichtigen zu unterscheiden.

Bild von A_Werdan auf Pixabay